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DAX – Nach der Trump-Rally jetzt der Trump-Crash?

18. Dezember 2016, 16:41 Uhr

Freie Analysen

Eingelullt von der seit über einem Monat laufenden sogenannten Trump-Rally, steigt der DAX immer weiter und steht 2016 nun mit einem Plus von über 6 Prozent da. Das ist an sich nicht berauschend, doch wenn man sich vor Augen führt, wie 2016 begonnen hat und was in den letzten 12 Monaten alles passiert ist, ist das schon ein respektables Ergebnis. Nach dem anstregenden, aufregenden und sehr volatilem Börsenjahr, sind Anleger froh endlich wieder halbwegs Sicherheit und Kontinuität zu haben. Doch die derzeitige Sorglosigkeit und die Fokussierung auf eine einzelne Person ist gefährlich und könnte gar in einem Crash münden.

China ist plötzlich uninteressant

Auch negative Nachrichten aus China interessieren derzeit niemanden bzw. sie werden einfach ausgeblendet. Trump überlagert einfach alles. Während der DAX haussiert und seit der US-Wahl gute 10 % zulegen konnte, macht der Shanghai-Index genau das Gegenteil und fällt seit Ende November klammheimlich um 5 %. Was früher eine kleine Panik unter den deutschen Börsianern ausgelöst hätte, interessiert heute keine Sau. Schließlich wird es Trump schon richten. Und auch die jüngst verkündeten Notkredite für Chinas Banken (N-TV 16.12.2016) sind höchstens eine Randnotiz wert. So what? Alles Pillepalle! Trump ist cool und twittert sich durch die Weltgeschichte. Er schafft auch das!

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Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Gefährliche Divergenz zum Shanghai-Index 

Doch genau der Shanghai-Index könnte nun als Blaupause für den DAX dienen. Ab dem Jahrestief hat sich hier, ähnlich wie beim DAX, ein steigender Keil entwickelt, der bis Mitte November noch eher bärisch und ab ca. 3.175 (an der oberen Keillinie) nach fallenden Kursen aussah. Die Kraft der Bullen war jedoch stärker als gedacht. Es kam zu einem Ausbruch aus dem steigenden Keil, was viele sofort als Kaufsignal interpretieren würden.

Doch nicht einmal drei Wochen später, hat sich das Bild erneut um 180 Grad gedreht. Nach einer kurzen Phase der Euphorie, im Zuge derer es einen Test der 3.300er Marke gab, steht der Shanghai-Index nun wieder dort, wo er kurz vor der US-Wahl stand. Mit dem Schlusskurs vom 16. Dezember steht hier sogar der Aufwärtstrend sowie die untere Keillinie wieder zur Diskussion. Bei einem Bruch könnte der chinesische Aktienmarkt direkt weitere 5 % abgeben und unter 3.000 Punkte rutschen. Ob das den DAX dann noch immer kalt lässt, wird sich zeigen …

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Dieser ist in der letzten Woche ebenfalls aus dem von mir ausgemachten steigenden Keil nach oben auf über 11.400 ausgebrochen. Die Stimmung wurde damit noch ein Stück weit bullischer und auch am Verfallstag zeigte der DAX keinerlei Schwäche.

10.800 als Dreh- und Angelpunkt

Damit ging es nun noch gute 200 Punkte höher als zuletzt am 20. November von mir prognostiziert. Allerdings kann ich dem aktuellen Chartbild nichts Positives abgewinnen. Der Ausbruch aus dem Keil nach oben mag kurzfristig bullisch sein, doch schon mit dem Test der Dezemberhochs aus dem Jahre 2015, tun sich schon zwei neue markante Widerstände auf. Zum einen eben das Dezemberhoch 2015 und zum anderen die obere Trendkanallinie der Aufwärtsbewegung ab dem Februartief. Zusammen ergibt sich dort sogar ein handfester Kreuzwiderstand.

Der DAX könnte damit jetzt also da stehen, wo der Shanghai-Index Ende November stand. Sobald er nun zurück in den Keil fällt (ca. 11.200/150), haben wir meiner Einschätzung nach das erste Achtungssignal und wir sollten eine Gegenbewegung sehen, die den DAX auf bis zu 10.800 und damit auf das Ausbruchsniveau der laufenden Rally zurückwerfen kann. Viel tiefer sollte es aber dann, zumindest wenn man an eine intakte und nachhaltige Aufwärtsbewegung seit 8.700 glaubt, auch nicht mehr gehen. Falls doch, wird es unter 10.800 schnell ungemütlich und der Jahresanfang 2016 könnte sich Anfang 2017 direkt wiederholen. Konkret könnte der DAX ab dann ohne Weiteres auf ca. 8.500 nachgeben.

Euphorie unter US-Anlegern

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Quelle: http://money.cnn.com/data/fear-and-greed/

Was ebenfalls gegen eine direkt fortgeführte Rally spricht ist das Sentiment, speziell in den USA. Der Fear & Greed Index ist in der letzten Woche zeitweise auf 88 von möglichen 100 Punkten gestiegen, was klar und deutlich Euphorie unter den US-Anlegern signalisiert. Aber was kümmert das schon? Hey, es ist Trump! Trump hat’s drauf und Trump wird die Rally am Laufen halten. Ganz sicher!

Weiterhin nur eine politische Börse

Abgesehen davon, dass die Rally bis heute den Namen “Trump-Rally” trägt zeigt, dass sie ganz klar politisch motiviert und initiiert ist. Und jeder kennt natürlich den berühmten Spruch mit den politischen Börsen und den kurzen Beinen.

Und genau genommen ist Trump ja auch noch gar nicht US-Präsident. Die Abstimmung der Wahlmänner am 19. Dezember gilt zwar laut Medienberichten als sicher und als reine Formalie. Historisch betrachtet wird er wohl auch zu 99 % von den Wahlmännern gewählt werden. Wer aber 2016 nicht im Bunker oder auf dem Mond gelebt hat, weiß, dass sichere Umfragen und vermeintlich vorhersehbare Ereignisse auch nicht mehr das sind, was sie einmal waren. Vor diesem Hintergrund könnte es auch ausgerechnet jetzt dazu kommen, dass Trump am Ende doch nicht US-Präsident wird.

Das wäre natürlich der Knaller und das politische Chaos in Amerika wäre perfekt. Unsicherheit würde wieder aufkommen und alle sofort aus ihrer Trump-Blase reissen. Und wenn Börsen eines nicht mögen, dann ist das Unsicherheit. Was das für die Märkte und den DAX bedeuten könnte, wird schnell klar: Die gesamte Rallybewegung seit Anfang November würde wohl in Windeseile rückabgewickelt werden …

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in dem besprochenen Wertpapier derzeit nicht investiert. Die bereitgestellten Informationen spiegeln lediglich die persönliche Meinung des Autors wider, stellen keine Anlageberatung oder Aufforderung zu Wertpapiergeschäften dar und können eine individuelle anleger- und anlagengerechte Beratung nicht ersetzen.

Viele Grüße,

Ihr Robert Schröder

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